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Mir scheint, wir haben uns daran gewöhnt, den Erfolg von Unternehmen, Volkswirtschaften und ganzen Gesellschaften vor allem anhand wirtschaftlicher Kennzahlen zu bewerten. Dabei stellen wir viel zu selten die Frage, ob das, was wir tun, das Leben eigentlich unterstützt oder vor allem seine Grundlagen verbraucht.
Damit meine ich nicht nur menschliches Leben. Ich meine auch Flüsse, Böden, Wälder, Tiere und das Klima, also die Grundlagen, auf denen alles andere erst möglich wird.
Wie real diese Grenzen sind, dürfte spätestens bei den Hitzewellen und ausgetrockneten Flüssen unserer Zeit klar werden. Wenn unsere Lebensgrundlagen ins Wanken geraten, hilft uns wirtschaftlicher Erfolg irgendwann nicht mehr weiter.
Zwei Prüfungen für Entscheidungen, die alle betreffen
Ich glaube, ein gesundes System bräuchte zwei Prüfungen, bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden.
1. Lebendigkeit als Grenze
Tastet eine Entscheidung die gemeinsamen Lebensgrundlagen an? Der Nutzen weniger, egal wie viele diese Wenigen sind, darf die Lebensgrundlagen aller nicht beeinträchtigen.
2. Möglichkeit zum Glück als Qualitätsfrage
Danach stellt sich für mich die nächste Frage: Ermöglicht diese Entscheidung Bedingungen, unter denen Menschen ihr Glück gestalten können? Nicht mehr Konsum um des Konsums willen, sondern Voraussetzungen für gute Beziehungen, Sinn, Gesundheit, Zeit und Verbundenheit.
Das Glück selbst bleibt selbstverständlich in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Menschen. Aber: Der Nutzen weniger darf nicht die Möglichkeiten aller anderen einschränken, ihr eigenes Glück zu gestalten.
Das Beispiel Bhutan und seine Grenzen
Bhutan hat mit dem Konzept des „Gross National Happiness“ einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Ich finde den Gedanken faszinierend. Gleichzeitig zeigt das Beispiel auch, dass gute Maßstäbe allein nicht ausreichen. Wenn eine kleine Gruppe festlegt, was „Glück“ oder „Lebendigkeit“ bedeutet, entsteht dieselbe Gefahr wie beim reinen Wachstumsdenken: Macht konzentriert sich an wenigen Stellen.
Deshalb glaube ich, dass ein solcher Maßstab zwei Korrektive braucht:
- Wissenschaft, die erforscht, was Menschen und unsere Lebensgrundlagen nachweislich stärkt.
- Möglichst breite demokratische Beteiligung, damit nicht wenige definieren, was für alle gut sein soll.
Keine philosophische Spielerei
An Tagen mit extremem Wetter scheint es leichter verständlich zu sein, dass diese Fragen keine philosophische Spielerei sind, sondern sehr praktische.
- Was würde sich verändern, wenn wir politische und wirtschaftliche Entscheidungen zuerst an Lebendigkeit und danach an der Möglichkeit zum Glück messen würden?
- Und was müssten wir gesellschaftlich und individuell verändern, damit das überhaupt möglich wird?
Ich habe darauf noch keine fertigen Antworten. Aber ich habe Lust, darüber gemeinsam nachzudenken.
Hat jemand Lust, mitzudenken?



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