Geschätzte Lesezeit: 2 Minute(n)
Reihe: Emotionen im Unternehmen #1
Ein Gefühl, das niemand gern zugibt
Ich wette, auch du kennst Neid. Und ich wette auch, zugeben würdest du ihn eher nicht.
Neid hat einen schlechten Ruf. Deshalb drücken wir ihn weg oder deuten ihn um: Der andere hat es nicht verdient. Der Erfolg war Glück. So schwer war das auch wieder nicht.
Doch Neid gehört genauso zum Arbeitsalltag wie Freude, Ärger oder Angst. Die Kollegin wird befördert. Der Kollege darf auf die spannende Fortbildung. Jemand bringt eine Idee ein und findet sofort Gehör. Und plötzlich ist da dieses unangenehme Gefühl.
Neid ist zunächst einfach ein Hinweis. Er zeigt mir zum Beispiel, dass ich mir selbst etwas wünsche: mehr Anerkennung, mehr Gestaltungsspielraum, mehr Mut. Oder das Gefühl, mit meiner Arbeit gesehen zu werden. Manchmal beneiden wir Menschen sogar für das, was sie verkörpern wie bei der Kollegin, die respektvoll Nein sagen kann. Die Führungskraft, die Fehler zugibt, ohne das Gesicht zu verlieren.
Neid & Strukturen
Doch Neid erzählt nicht nur etwas über einzelne Menschen. Manchmal weist er auf eine Kultur hin, die als ungerecht erlebt wird. Wenn seit Jahren dieselben Mitarbeitenden gefördert werden oder Beförderungen nicht nachvollziehbar sind. Ich halte Beziehungen für wichtiger als Leistung. Denn gute Leistung entsteht häufig erst dort, wo Beziehungen gelingen. Problematisch wird es, wenn persönliche Beziehungen darüber entscheiden, wer gefördert wird oder welche Türen sich öffnen. Dann entsteht eine Schräglage, die Neid begünstigen kann.
In diesen Fällen ist Neid kein Zeichen mangelnder Größe, sondern ein berechtigtes Signal.
Für Führungskräfte lohnt sich deshalb die Frage: Was steckt hinter dem Neid in meinem Team? Fehlende Transparenz? Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten? Fehlende Wertschätzung? Oder Strukturen, die manche tatsächlich benachteiligen?
Neid verschwindet nicht dadurch, dass wir ihn verurteilen. Er wird wertvoll, wenn wir bereit sind, seine Botschaft zu verstehen.
Emotionen bewusst führen
Wenn ihr lernen wollt, Emotionen in eurem Unternehmen nicht wegzudrücken, sondern als Informationsquelle zu nutzen, begleite ich euch gern dabei.



Schreibe einen Kommentar