Keynote: „Du bist toll, solange du neu bist“

Junge Frau sitzt neuen Kolleginnen und Kollegen gegenüber im Gespräch – Symbol für neue Mitarbeitende im Fokus eines Unternehmens.

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Wie Nähe-Distanz-Muster Kultur prägen

Stell dir vor, da kommt ein neuer Mensch in euer Unternehmen. Du bist begeistert. Endlich ist die Verstärkung da, endlich jemand, der „es verstanden hat“. Du investierst Zeit, Aufmerksamkeit, Hoffnung.

Und dann vergeht Zeit. Dieser Mensch wird konkreter. Er bringt eigene Bedürfnisse mit, eigene Grenzen und Macken. Plötzlich merkst du, dass deine innere Begeisterung leiser und deine innere Kritikerin, dein innerer Kritiker lauter werden.

Das Muster: begeistert auf Distanz – kritisch in der Nähe

Viele Menschen kennen eine innere Dynamik. Am Anfang sind wir schnell begeistert von einem neuen Mitarbeitenden, einem neuen Kollegen oder einer neuen Chefin. Je näher Menschen kommen, desto sichtbarer werden ihre Unsicherheit, ihre Fehler, ihre Bedürfnisse und umso kritischer werden wir. Gleichzeitig werden Mitarbeitende, die uns wirklich mögen und loyal sind, mit der Zeit „selbstverständlich“.

Statt echter Beziehung leben wir dann schnell eine Projektionskette: Wir projizieren unsere Hoffnungen auf die Neuen und Enttäuschungen auf die, die geblieben sind.

Warum das im aktuellen System logisch ist

Das passiert nicht, weil wir „schlechte Menschen“ sind. Es macht psychologisch und strukturell einfach „Sinn“:

  • Systeme unter Druck (Zeit, Geld, Wachstum) suchen ständig nach Lösungen in der Zukunft: die nächste Neueinstellung, die nächste Führungskraft, die nächste Reorganisation, der nächste Coach.
  • Das Neue trägt die Fantasie: „Dann wird es besser.“ während das Nahe daran erinnert, was aktuell eben „so ist“, inklusive aller ungelöster Themen.
  • Viele Führungskräfte haben selbst nie gelernt, mit Nähe, Grenzen, Fehlern gut umzugehen. Also wird es diffus und die innere Distanz wächst genau da, wo es menschlich werden würde und sollte.

Das heißt, das Muster ist weniger böse Absicht als eine kollektive Überforderung plus alte Prägung.

Es gibt auch die Gegenbeispiele

Du kennst vielleicht auch Firmen oder Teams, in denen etwas anderes spürbar ist:

  • Neue Leute werden realistisch abgeholt. Es gibt keinen Hype, sondern ein klares Willkommen und ein ehrliches Bild vom Alltag.
  • Langjährige Mitarbeitende werden in Entwicklungsgesprächen, durch echte Beteiligung, Mitgestaltung bewusst geehrt.
  • Führung ist auf Beziehungskompetenz trainiert und kann Feedback geben, Gespräche über Grenzen führen, lebt Fehlerkultur und Nähe-Distanz-Regulation.

Das Muster ist vielleicht nicht weg, aber schwächer oder es wird zumindest bewusst reflektiert.

Genau das ist Kulturarbeit.

Warum das für dich als Führung wichtig ist

Führung heißt immer auch, dich zu fragen wohin deine Aufmerksamkeit geht und wen du wirklich nah an dich ranlässt. Bei den folgenden unbequemen, aber ehrlichen Fragen an dich geht es nicht nur um die anderen, sondern um deine eigene Nähe-Distanz-Kompetenz und damit direkt um eure Kultur.

  • Wie schnell bist du begeistert von neuen Leuten und wie schnell wirst du kritischer, wenn Fehler, Kanten, Bedürfnisse sichtbar werden?
  • Wie gehst du mit Mitarbeitenden um, die dich wirklich mögen, die loyal sind? Werden sie innerlich „langweilig“, während die Schwierigeren spannender bleiben?
  • Wen findest du toll, solange er weit weg ist und warum? Sind es Visionen, die ihr nie wirklich umsetzen müsst oder zukünftige Mitarbeitende, die alles lösen sollen? Oder sind es die Menschen, die heute schon hier sind mit all ihrer Unvollkommenheit?

Hier geht es nicht darum, dich an den Pranger zu stellen. Es ist eine Einladung:

  • weg von Projektion, hin zu echter Beziehung,
  • weg von „Du bist toll, solange du neu bist“ hin zu „Du bist wichtig, gerade weil du mit allem, was dich menschlich macht, da bist.“

Wenn du als Führungskraft bereit bist, genau hier hinzuschauen, veränderst du mehr als einzelne Gespräche. Du veränderst Kultur. Und vielleicht beginnt das heute damit, dass du genau einer Person, die „schon immer da ist“, deine volle, neugierige Aufmerksamkeit schenkst, so als wäre sie gerade ganz neu gekommen.

Lust, eure Nähe-Distanz-Muster im Unternehmen ehrlich anzuschauen?

Ich begleite Teams und Führung dabei, aus Projektion echte Beziehungskultur zu machen – in Workshops, Keynotes und Beratungen. Melde dich gern, wenn du dein Unternehmen hier wiedererkennst.



Tanja Richter - ein Portrait

Über die Autorin:

Tanja Richter begleitet seit vielen Jahren Menschen auf ihrem inneren Weg und unterstützt Menschen, die selbst mit Menschen arbeiten, dabei, Begleitung traumasensibel, nervensystemfreundlich und beziehungsorientiert zu gestalten.

Sie verbindet aktuelles Wissen zu Nervensystem und Trauma mit schamanisch-spiritueller Erfahrung und einer klaren, bodenständigen Praxis, die im echten Alltag trägt – auch dann, wenn es schwierig wird.

Erfahre mehr über Tanja Richter und ihre Angebote für Menschen, die andere Menschen professionell begleiten …

Es grüßt dich herzlich

Tanja Richter



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