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Ich mag Ehrenamt nicht. Das klingt erstmal hart, also lass mich präziser sein: Ich mag eine bestimmte Form von Ehrenamt nicht. Ich mag es nicht, wenn wir als Gesellschaft erst etwas kaputtmachen – Beziehungen, Gemeinschaft, Umwelt – und dann erwarten, dass Freiwillige das in ihrer Freizeit unentgeltlich reparieren.
Das eigentliche Problem dahinter ist aus meiner Sicht, dass wir Beziehungsarbeit offensichtlich nicht für so wertvoll halten, dass wir sie bezahlen wollen. Beziehung zu uns selbst, Beziehung zueinander, Beziehung zur Natur sind die Grundlage, auf der alles andere steht. Und trotzdem behandeln wir diese Arbeit wie eine Selbstverständlichkeit.
Gleichzeitig nennen wir es Arbeit, wenn Menschen an Preisbewegungen von Geld, Aktien oder Rohstoffen verdienen. Die Arbeit an Beziehungen, Gemeinschaft und Natur dagegen behandeln wir oft wie ein Hobby. Da stimmt nach meiner Meinung etwas nicht mit unserer Werteskala.
Ich frage mich manchmal, warum wir überhaupt Naturschutzgebiete, Artenlisten, Schutzprogramme und Umweltauflagen brauchen. Unter normalen Umständen kann sich die Natur sehr gut selbst schützen und regulieren. Das heißt, die Natur benötigt unsere Arbeit, weil wir uns als Gesellschaft so verhalten, dass sie Schutz vor uns braucht.
Das ist der eigentliche Kern. Wir akzeptieren die Ursachen der Schäden als normal und feiern dann Menschen, die die Folgen ehrenamtlich auffangen.
Vielleicht liegt die Wurzel noch tiefer. Wie wir mit uns selbst umgehen, spiegelt sich darin, wie wir mit anderen und mit der Welt um uns herum umgehen. Wer sich selbst gegenüber keine echte Zuwendung kennt, kann es schwer haben, sie nach außen zu tragen. Was wir Beziehungsarbeit nennen, beginnt dort.
Liebe – also echte Zuwendung, zur Natur, zueinander, zu uns selbst – wäre kein Schutzprogramm. Sie würde einfach keinen Schaden erzeugen, den es zu beheben gilt. Das schließt Fehler nicht aus. Aber sie enthält die Bereitschaft, die Auswirkungen des eigenen Handelns wahrzunehmen und zu korrigieren. Schutzprogramme entstehen dort, wo diese Bereitschaft fehlt oder nie entwickelt wurde.
Und es gibt noch etwas, das gerne vergessen wird: Ehrenamt ist ein Privileg. Wer keine Zeit hat, weil er arbeiten muss, um über die Runden zu kommen, kann sich nicht engagieren. Die Last fällt auf diejenigen mit genug Puffer. Und das sind selten jene, die am stärksten von den Schäden betroffen sind, die wir gemeinsam anrichten.
Ich bringe meiner Nachbarin ohnehin etwas mit, wenn ich einkaufen gehe. Das entsteht vollkommen selbstverständlich aus dem Leben heraus und ist kein Ehrenamt. Das ist einfach Menschlichkeit.
Was wir aus meiner Sicht brauchen, ist keine bessere Freiwilligenkultur. Wir brauchen eine andere Entscheidung darüber, was wir als Gesellschaft bezahlen wollen und was das über uns aussagt.
Ich arbeite mit Menschen, Teams und Unternehmen, die an den Ursachen von Konflikten und Belastungen ansetzen wollen und nicht nur an ihren Symptomen.



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