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Klar führen ohne absolute Antworten
Viele Führungskräfte tragen einen unausgesprochenen Satz in sich:
„Ich muss wissen, wo es langgeht. Alles andere ist Schwäche.“
In einer Welt, in der sich Rahmenbedingungen ständig ändern, führt genau dieser Satz direkt in die Überforderung. Denn die Wahrheit ist, dass niemand mehr alles weiß: nicht die Geschäftsführung, nicht die mittlere Ebene, nicht die Expert*innen.
Wir leben in dauernder Veränderung: Märkte, Technologien, Kundenerwartungen, Teamstrukturen – alles ist in Bewegung.
Die Frage ist also nicht: „Wie schaffe ich es, immer eine Antwort zu haben?“, sondern eher:
„Wie kann ich klar führen, obwohl ich nicht alles weiß?“
Für mich beginnt das mit einem Perspektivwechsel:
- Nichtwissen heißt nicht: „Ich habe keine Ahnung, ich bin überfordert.“
- Sondern: „Ich kenne die Lage so weit, wie sie gerade sichtbar ist und ich bin bereit, mit euch zusammen weiter zu lernen.“
Wenn du als Führungskraft so sprichst, entsteht ein anderes Feld. Sätze wie:
- „Ich weiß es noch nicht, und ich sage euch ehrlich, warum.“
- „Das ist der Stand heute und das sind die nächsten Schritte, die wir trotzdem gehen können.“
- „Ich brauche eure Einschätzung, weil ich den Gesamtblick nicht allein habe.“
Das klingt erstmal nach Unsicherheit. In der Praxis erleben Teams das oft als Entspannung und Ehrlichkeit. Wichtig ist, dass du Nichtwissen mit Haltung und Struktur verbindest: Du sagst nicht nur: „Ich weiß es nicht“, sondern auch: „So gehen wir jetzt mit diesem Nichtwissen um.“
Zum Beispiel:
- Wir definieren einen klaren Zeitraum, in dem wir Informationen sammeln.
- Wir legen fest, welche Kriterien für eine Entscheidung wirklich wichtig sind.
- Wir verabreden, wann wir die Entscheidung trotz Restunsicherheit treffen.
Das Entscheidende ist, du bleibst als Führung präsent, auch wenn du keine fertigen Antworten hast. Hier sind drei Sätze, die dir dabei helfen können:
- „Ich weiß es gerade nicht sicher und das ist ehrlich gesagt normal in dieser Situation.“
- „So weit ich es jetzt sehe, sind diese Optionen auf dem Tisch …“
- „Ich werde die Entscheidung bis … treffen, und bis dahin brauche ich von euch …“
Damit verknüpfst du deine Ehrlichkeit über Nichtwissen mit deiner Klarheit über Prozess und Verantwortung. Und dein Team spürt, dass du dich nicht hinter Phrasen versteckst und sie trotzdem nicht führungslos zurück lässt.
In einer instabilen Welt ist das eine der wichtigsten Führungsqualitäten. Es geht darum, ansprechbar, lernbereit und innerlich stabil zu bleiben. Du musst nicht alles wissen, um gut zu führen. Aber du brauchst die Bereitschaft,
- dein Nichtwissen zu benennen,
- dein Team einzubeziehen,
- und gemeinsam im großen Schwabbeln handlungsfähig zu bleiben.
Genau dort beginnt reife Führung.
Entscheidungen, die sich sicher anfühlen
Ihr trefft viele Entscheidungen auf Basis von Zahlen und Fakten. Das Entscheidungsrad hilft euch, auch dann mit einem sicheren Gefühl zu entscheiden, wenn noch nicht alles klar ist: Es verbindet Fakten mit Gefühl, Körper und Werten. So werden Entscheidungen nicht nur logisch, sondern auch innerlich tragfähig.
Im Workshop „Das Entscheidungsrad“ schauen wir, wie ihr auch im Wandel zu Klarheit kommt und Entscheidungen trefft, die sich sicher genug anfühlen, um sie gemeinsam zu tragen.



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