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Wer ist hier eigentlich zuständig? Eine kleine Einladung, Verantwortung nicht mehr an „man“ auszulagern, sondern bei dir selbst anzukommen.
„Ja, man müsste echt mal was ändern.“
Diesen Satz kennst du wahrscheinlich. Er klingt vernünftig, aber wenn wir genau hinhören, fehlen drei entscheidende Infos:
- Wer müsste?
- Was genau?
- Und wann?
„Man müsste“ ist wie ein offener Ticket-Eintrag ohne Verantwortliche*n. Es gibt keinen Name, keinen Termin und selbstverständlich auch keine nächste Aktion.
Genau das macht dieses kleine Wörtchen „man“ so spannend. Es klingt nach Allgemeinheit – „die Leute“, „alle“, „man halt“ –, aber es verhindert, dass jemand sagt: „Ich bin dran. Ich fang an.“
Viele von uns haben gelernt, sich so auszudrücken:
- „Man bleibt dann halt in Beziehungen, auch wenn’s nicht mehr passt.“
- „Man spricht sowas ja nicht an.“
- „Man will ja keinen Ärger.“
Psychologisch passiert dabei etwas Wichtiges: Mit jedem „man“ schiebe ich Verantwortung ein Stück von mir weg. Ich rede nicht mehr über mich, sondern über eine anonyme Masse. Und in dieser Masse kann ich mich hervorragend verstecken.
Das ist oft ein alter Schutz. Wer für eigene Wünsche kritisiert, beschämt oder bestraft wurde, lernt, dass es gefährlich ist, sichtbar zu sein. Dann ist „man“ ein klug gewähltes Wort, denn es hält mich aus der Schusslinie.
Aber dasselbe Muster, das mich früher geschützt hat, blockiert mich später vielleicht genau da, wo ich mein Leben, meine Beziehungen, meinen Job wirklich gestalten möchte.
Spannend wird es, wenn wir anfangen zu übersetzen.
- „Man müsste mal was ändern.“ in „Ich möchte etwas ändern.“
- „Man sollte da mal Klartext reden.“ in „Ich will das ansprechen.“
- „Man kann ja nichts machen.“ in „Im Moment weiß ich noch nicht, was ich tun kann.“
Merkst du, wie sich das verschiebt? Mit diesem kleinen Wechsel taucht plötzlich eine Person auf. Mit Gesicht, Gefühl und mit Handlungsspielraum.
In Beziehungen und Teams macht es einen riesigen Unterschied, ob jemand sagt: „Man fühlt sich da nicht ernst genommen.“ oder „Ich fühle mich da nicht ernst genommen und ich wünsche mir, dass wir das ändern.“
Im ersten Satz ist niemand wirklich zuständig. Im zweiten übernehme ich Verantwortung für mein Erleben und lade die anderen ein, mitzuwirken.
Vielleicht magst du es ausprobieren: Beobachte dich einen Tag lang. Immer wenn du „man“ sagst, frag dich leise:
„Bin das vielleicht ich?
Und wenn ja, was wäre mein nächster kleiner Schritt?“
Vielleicht stellst du fest: Verantwortung fühlt sich gar nicht so schwer an, wenn du dich wichtig genug nimmst, dich selbst zu meinen.
Lust, eure „man“-Kultur in eine klare Ich- und Wir-Kultur zu verwandeln?
Ich begleite Teams und Führung dabei, Verantwortung nicht mehr an „man“ auszulagern, sondern eine ehrliche, lebendige Beziehungskultur zu entwickeln – in Workshops, Keynotes und Beratungen. Melde dich gern, wenn du dein Unternehmen hier wiedererkennst.



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