Magisches Denken oder Magie des Seins?

Eine einzelne gelbe Sonnenblume steht leuchtend inmitten eines abgeernteten Feldes vor sanften Hügeln – Symbol für Magie, die selbst in kargen Lebensphasen wächst.

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Wie Trauma, EinSein und Schöpferkraft zusammenwirken und wie du den Unterschied erkennst

Es gibt Momente im Leben, die sich anfühlen, als hätte das Universum persönlich geantwortet. Ein Gedanke, ein Wunsch, ein Gefühl und plötzlich fügt sich etwas im Außen. Gleichzeitig kennen wir alle auch die Momente, in denen die Dinge scheinbar nicht funktionieren, in denen Widerstände, Schmerzen oder Wiederholungen auftreten.

Doch was ist Magie? Was ist reines Wunschdenken? Was entsteht aus Trauma und was aus Schöpferkraft? Und wie können wir lernen, beides zu unterscheiden?

Zwischen magischem Denken und der Magie des Seins liegen Welten, auch, wenn sie auf den ersten Blick manchmal ähnlich aussehen.

Dieser Text ist eine Einladung, die feine Grenze zu erkunden:

  • zwischen kindlichem Wunschdenken und erwachter Schöpferkraft,
  • zwischen Traumareaktion und göttlichem Einverständnis,
  • zwischen Kontrolle und Liebe.

Die Sehnsucht nach dem Zauber und das Missverständnis dahinter

Ich habe Magie schon immer geliebt. Nicht nur ein bisschen, sondern tief, leidenschaftlich, wie jemand, der sich erinnert, bevor er weiß, woran.

Ich gehörte zu den Menschen, die sehnsüchtig auf den nächsten Harry-Potter-Band warteten, als hinge ein Teil meiner Seele daran. Und seit vielen Jahren begleitet mich nun auch die Sumpfloch-Saga von Halo Summer. Das sind Geschichten voller Zauber ohne das übliche Schwarz-Weiß von „Licht“ und „Dunkel“, mit einer Wärme, Differenziertheit und Tiefe, die mein Herz, meine Seele und auch meinen Kopf nährt.

Die Sehnsucht hinter diesen Geschichten war immer dieselbe: Ich wollte eines Morgens aufwachen und mein Leben und die Welt sollten ganz anders sein.

Schon als 6-jähriges Kind wollte ich ja Zauberin werden und Frieden für die Welt und Schokolade für mich zaubern. (Ich befürchte, dass ich das schon ein paar Mal auf meiner Website geschrieben habe 🙂 ) Das wollte ich immer noch. Doch ich wollte auch, dass ich plötzlich irgendwie Bedeutung hätte, damit ich endlich liebenswert sei.

Ich wollte, dass die Grenzen fallen. Dass das Unsichtbare sichtbar wird. Dass das Leben mir zeigt, dass mehr existiert, als man sehen oder erklären kann.

Und irgendwann passierte genau das. Atheistisch aufgewachsen, beobachtete ich mein Leben und kam irgendwann nicht umhin anzuerkennen, dass das Leben auf meine inneren Entscheidungen reagiert. Nach und nach glaubte ich, dass etwas hinter den offensichtlichen Dingen des Lebens wirken muss. Doch es war lange „nur“ ein Glauben. Und eines Tages war die geistige Welt da. Es geschah etwas, das mein rationaler Verstand nicht mehr wegdenken konnte. Danach stand ich da mit einem Schrebenhaufen meines alten Weltbildes in meinen Händen.

Doch entgegen meiner Kindheitsphantasie begann mit diesem Morgen nicht das Ende der Suche, sondern der Anfang. An dieser Stelle meines Lebens begannen das Aufräumen und das Erwachsenwerden. Ich lernte zu unterscheiden zwischen Wunschdenken und wahrer Magie, zwischen Angstlogik und Schöpferkraft, zwischen magischem Denken und Magie des Seins.

Meine Sehnsucht nach Magie hat mich zur Magie geführt und die echte Magie hat mich zu mir geführt.

Die Sehnsucht nach Magie ist nicht falsch.
Sie ist menschlich.
Und sie ist alt.

Doch was genau ist denn nun der Unterschied zwischen magischem Denken und der Magie des Seins?

Magisches Denken – Wenn die Psyche zaubert, um zu überleben

Magisches Denken ist kein Fehler und keine Naivität. Es entsteht, wenn ein Mensch, meist als Kind, versucht, eine Welt zu ordnen, die zu groß, zu laut oder zu unberechenbar ist.

Viele Kinder entwickeln innere Regeln wie:

  • „Wenn ich Mama zum Lachen bringe, wird heute niemand schreien.“
  • „Wenn ich ganz leise bin, bleibt es friedlich.“
  • „Wenn ich gute Noten habe, wird niemand wütend.“
  • „Wenn ich mich nicht bewege, passiert nichts Schlimmes.“

Das ist magisches Denken. Es ist der Versuch, Ohnmacht in Einfluss zu verwandeln und innere Ordnung in ein äußeres Chaos zu bringen. Und das ist eine wunderbare Funktion unseres Nervensystems, das eine kreative Lösung für eine Situation anbietet und innere Sicherheit schenkt, auch dort, es im Außen eigentlich keine Sicherheit gibt.

Auch Erwachsene tragen solche magischen Muster oft weiter:

  • „Wenn ich mich nur ausreichend anstrenge, bleibt der andere ruhig.“

oder

  • „Ich bin verantwortlich dafür, wie sich andere fühlen.“

Das ist die erwachsene Version desselben Mechanismus. Es ist magische Logik in erwachsener Form:

  • Überverantwortung
  • Überanpassung
  • Kontrolle durch Perfektion
  • Harmoniestreben als „Zauberspruch“
  • Die Illusion, man könne die Reaktionen anderer steuern

All das ist nicht bewusst gewähltes Verhalten, es ist die Fortsetzung eines alten Schutzsystems.

Magisches Denken entsteht aus dem Wunsch nach Sicherheit, nicht aus dem Wunsch nach echter Schöpferkraft.

Und genau hier beginnt der Unterschied:
Magisches Denken entspringt der Not.
Echte Magie entspringt der Liebe.

Hinweis: Wenn Psycholog*innen von „magischem Denken“ sprechen, meinen sie meist die Tendenz, innere Vorgänge oder Zufälle so zu deuten, als hätten sie eine direkte äußere Wirkung, z.B. im Kindesalter, bei Trauma, in Zwangsstörungen oder in stark belasteten Situationen.

Ich verwende den Begriff hier etwas weiter: für all die inneren Versuche, Chaos, Angst oder Ohnmacht wieder handhabbar zu machen, auch dort, wo wir objektiv nichts kontrollieren konnten bzw. können. Diese Erweiterung ist bewusst, weil viele dieser Mechanismen im Alltag und in spirituellen Entwicklungsprozessen sehr ähnlich wirken.

Magisches Denken bei Erwachsenen in Extremsituationen

Ein besonders schmerzliches Beispiel für magisches Denken im Erwachsenenalter ist z.B., wenn ein Mensch einen Unfall überlebt – und unbewusst glaubt, er hätte ihn verhindern können.

Das passiert häufiger, als wir denken. Jemand überlebt, jemand anderes stirbt oder wird schwer verletzt und der unverletzte Mensch denkt:

  • Wenn ich länger gebraucht hätte…“
  • Wenn ich schneller bzw. langsamer gefahren wäre…“
  • Wenn ich ihn/sie aufgehalten hätte…“
  • „Wenn ich etwas gesagt/erkannt/geahnt hätte…“
  • Wenn ich anders reagiert hätte, wäre nichts passiert.“

Psychologisch gesehen ist das magisches Denken in einer erwachsenen, traumatisierten Form, weil unser Nervensystem in Extremsituationen Ohnmacht nicht erträgt. Wir suchen nach Erklärbarkeit, nach einer Ursache, die wir selbst hätten beeinflussen können. Denn ein Einfluss, auch ein eingebildeter, fühlt sich sicherer an als totale Ohnmacht.

Die innere Logik lautet: „Wenn ich schuld bin, hätte ich es verhindern können und wenn ich es hätte verhindern können, bin ich nicht machtlos.“

Es ist paradox, aber wahr: Die Psyche nimmt lieber Schuld auf sich als Ohnmacht.

Und falls du merkst, dass dich solche Gedanken überfordern oder die Grenzen zwischen deiner inneren Welt und der äußeren Realität verschwimmen, ist das kein Versagen, sondern ein wichtiges Signal. Bitte hol dir dann Unterstützung.

Magie des Seins soll dich nicht verwirren oder ängstigen, sondern entlasten. Manche Themen brauchen ein Gegenüber, das dich stabil hält, damit du sicher sortieren kannst, was wirklich deins ist und was nicht.

Bei dieser Art zu denken, handelt es sich nicht um Bewusstsein oder echten Einfluss. Das ist ein innerer Schutzmechanismus, der Stabilität geben soll und hat seinen Sinn. Er hilft uns, erst einmal zu überleben mit dem, was geschehen ist.

Doch es ist Magie aus Not, nicht Magie aus Sein.

Keine noch so große Schöpferkraft kann verhindern, dass andere Menschen Entscheidungen treffen, ihre eigenen Wege gehen, oder dass das Leben seine eigenen Bahnen hat.

Wir sind nicht die Schöpfer*innen der Lebenswege anderer. Wir sind nur die Schöpfer*innen unserer eigenen und manchmal begegnen sich diese Wege für einen Moment auf schmerzhafte Weise.

Magisches Denken in solchen Situationen ist ein Zeichen dafür, dass der Mensch versucht, das Unfassbare fassbar zu machen.

Genau hier braucht es Liebe, Wahrheit und Entlastung. Und vielleicht braucht es auch eine therapeutische Begleitung.

Magie braucht Mut – denn Wünsche verändern die Welt

Echte Magie, die Magie des Seins, ist das Zusammenspiel zwischen deinem inneren Feld und dem Feld des Lebens. Sie entsteht, wenn du so tief in dir selbst ankommst, dass das Außen, auf deine innere Wahrheit antwortet. Sie ist Ko-Kreation: Du gibst den Wunsch, das Leben gibt den Weg und zusammen entsteht etwas, das größer ist als ihr beide.

Zu echter Magie gehört mehr als Vertrauen. Sie braucht vor allem auch Mut. Denn wenn wir einen Wunsch aussprechen, also wirklich aussprechen, mit Herz und Seele, dann bewegt sich etwas. Innen und Außen. Und diese Bewegung können wir nicht kontrollieren.

Wir wissen nie, was sich bewegen wird, oder wie das Leben diesen Wunsch erfüllt. Nur dass es antwortet. Ich habe das immer wieder erlebt.

Die Schneefrau – Der Mut, einen „absurden“ Wunsch zu äußern

Ich war mitten im Winter an der Steilküste vor Warnemünde spazieren. Es hatte geschneit, ich war übermütig und wollte wirklich gern irgendjemanden mit Schnee bewerfen. Einfach so aus Freude und ohne Grund.

Aber am Strand war niemand mehr, denn die Dämmerung begann schon.

„Na gut“, dachte ich, „wenn da niemand ist, baue ich eben eine Schneefrau.“ Und so baute ich meine Schneefrau, als ein junger Mann vorbeikam.

Er sah mich an und fragte vorsichtig, ob mit mir alles in Ordnung sei.

In diesem Moment, hätte ich ausweichen können. Ich hätte etwas Belangloses sagen können oder mich klein machen können. Doch Magie entsteht nicht durch Ausweichen, sie entsteht aus dem Mut, sich zu zeigen.

Also sagte ich die Wahrheit, meine absurde, übermütige Wahrheit: „Ich wollte jemanden mit Schnee bewerfen. Da unten war niemand. Also baue ich eben eine Schneefrau.“

Das schien ihm einzuleuchten. Er sah mich an, nickte und sagte: „Wenn das so ist, dann stelle ich mich mal zur Verfügung.“

Mit großer Ernsthaftigkeit blieb er ein paar Meter entfernt stehen und bewegte sich nicht. Ich durfte ihn mit meinen Schneebällen bewerfen, was ich mit ebensolcher Ernsthaftigkeit tat. Das bereitete uns beiden große Freude.

Danach plauderten wir noch fünf Minuten. Es stellte sich heraus, dass er der Bruder eines Bekannten von mir war. Danach gingen wir jede*r unserer Wege und sahen einander nie wieder.

Was bleibt?

Manchmal ist Magie nichts weiter als der Mut, einen Wunsch auszusprechen, auch wenn er verrückt klingt.

Das Leben antwortet auf Wünsche, für die wir bereit sind, uns sichtbar zu machen. Und ich unterstelle dem Leben, dass es auch genau solche absurden Situationen liebt. Es ist zutiefst auch albern.

Das Wünschefeuer – Wenn Magie das Leben umräumt

Die zweite Erfahrung war intensiver und hatte nichts Spielerisches. Sie hatte Konsequenzen.

An einem Silvesterabend machte die Schamanin, die mich damals aus meiner schweren Krise begleitet hatte, ein Wünschefeuer. Ich schrieb nur ein Wort auf meinen Zettel: Freiheit. Das war alles, eine klare Richtung meiner Seele.

Vier Tage später kam es zu einem so heftigen Konflikt zwischen uns, dass wir uns trennten.

Ich wäre damals nicht freiwillig gegangen. Ich hatte ja noch längst nicht alles gelernt und so hielt ich an der Verbindung fest: aus Loyalität, Dankbarkeit und auch aus Angst, allein weitergehen zu müssen. Und sie hätte mich nicht weggeschickt. Wir hielten uns gegenseitig fest in einem System, das zu klein geworden war.

Das Leben räumt aus, wenn die Seele ruft.

Seelenwünsche sind machtvoll. Sie setzen Kräfte in Gang, die nach meiner Erfahrung nicht mehr aufzuhalten sind. Wir können nie wissen, was ein bewusster Wunsch auslöst. Wir können aber wissen, dass das Leben antworten wird, wenn die Seele ruft. Und es wird die Richtung ändern, auch wenn es unbequem ist.

Die Magie des Seins ist kein Spielzeug. Sie ist eine Bewegung in Richtung Wahrheit. Und Wahrheit macht manchmal erst alles kaputt, bevor sie etwas Neues entstehen lässt.

Doch eines weiß ich: Jeder Schritt, der mich näher zu meiner Seele gebracht hat, hat mein Leben freier, tiefer, reicher und liebevoller gemacht.

Auch wenn er Mut gebraucht hat und wirklich oft unbequem war.

Bestellungen beim Universum – und das „Es ist egal“

Mein bewusster spiritueller Weg führte mich selbstverständlich auch zu dem Buch „Bestellungen beim Universum“. Und das machte mich regelmäßig wirklich wütend, denn es klappte quasi nie. Zumindest nicht, wenn ich mir wirklich etwas „Großes“ wünschte.

Im Laufe der Zeit merkte ich aber doch, dass sich Wünsche erfüllten. Dazu gehörte z.B. der Wunsch mit den Schneebällen.

Ein anderes Mal wünschte ich mir ein Auftrittskleid für meinen Bauchtanz. Ich suchte im Internet nach einem Stoff und kaufte ihn auch, obwohl ich nicht wusste, was ich damit eigentlich soll, denn ich selbst konnte nicht nähen und wollte es auch nicht lernen.

Dann malte ich das Kleid auf, so wie ich es mir vorstellte. Und ich murmelte leise vor mich hin, dass es wirklich schön wäre, wenn mir irgendjemand dieses Kleid nähen würde. Dann packte ich alles weg und dachte nicht mehr daran. Mein rationaler Verstand sagte mir, dass das ja unmöglich möglich wäre.

Drei Tage später rief meine Tanzlehrerin an: „Tanja, ich hätte mal wieder Lust, dir ein Kleid zu nähen.“

Es gab wirklich viele solcher Begebenheiten, die nicht einfach damit zu erklären sind, dass meine Psyche sie durch meine erhöhte Aufmerksamkeit nun einfach wahrnimmt, weil sie ohnehin dauernd geschehen. Ich habe nicht dauernd solche Anrufe erhalten. Und ich war auch oft im Wald unterwegs. Es lag nicht dauernd eine Kreuzotter auf dem Weg, den ich einschlug. Die lag dort erst, eine Woche nachdem ich mir gewünscht hatte, mal eine in freier Natur zu sehen.

All diese Begebenheiten erzählten mir: Magie gibt es. Bestellungen beim Universum sind möglich. Doch es braucht mehr als nur den Wunsch: Der Ausgang meines Wunsches muss mir egal sein!

Was ich hier beschreibe, sind meine eigenen Erfahrungen mit der Magie des Lebens. Für mich steht Magie nicht neben dem Alltäglichen. Sie wirkt mitten darin.

Magie öffnet Türen, synchronisiert Begegnungen und bringt uns an Kreuzungen, die wir allein nie gefunden hätten. Aber sie nimmt uns die Entscheidung nicht ab, hindurchzugehen.

Deshalb sehe ich Magie und praktische Schritte nicht als Gegensätze, sondern als ein einziges Zusammenspiel: Die Magie zeigt den Weg und unser Handeln macht ihn wirklich.

Bei kleinen Wünschen ist das ja in der Regel kein größeres Problem. Doch bei existenziellen Wünschen beginnen sämtliche inneren Mechanismen zu wirken, die noch nicht aufgeräumt sind.

Schöpferkraft ist ein Prozess

Wenn alles eins ist,
wenn Gott alles ist,
wenn ich Teil dieses EinSeins bin,
dann trage ich dieselben schöpferischen Kräfte in mir wie das, was wir Gott nennen.

Wenn ich einen existenziellen Seelenwunsch äußere und die Verwirklichung „beauftrage“, dann sagt das Universum erst einmal: „Ah, du willst dort hinten hin. Na, dann musst du jetzt erst einmal nach links, dann nach schräg hinten, dann nach rechts, ein paar Schritte vor, ein paar wieder zurück, …“ Und irgendwann komme ich entweder genau dort an, wo ich hin wollte oder zumindest in die Nähe. Manche Wünsche „auf dem Weg“ lösen sich auch auf, weil eigentlich ein anderes Bedürfnis darunter lag.

Meine Geister sagten mir einmal:

„Eure Wünsche sind der Baustein der Materie.“

Und die Erfüllung mancher Wünsche brauchen manchmal auch eine ganze Inkarnation. (Vielleicht sogar mehrere oder richtig viele, z.B. der Wunsch, die Erfahrungen des Getrenntseins in allen Facetten zu durchlaufen.)

Wenn das stimmt, dann erschaffen wir ohnehin immer: bewusst oder unbewusst. Unsere Wünsche sind dann nicht nur das, was wir „schön fänden“, sondern das, was wir tief in uns für wahr halten, für möglich halten oder manchmal auch „für verdient halten“. Und genau da wird es spannend.

Solange ein Wunsch nicht existenziell ist, gelingt uns das „Es ist egal“ meist noch ganz gut. Ob nun eine Schneefrau, ein Kleid oder eine Kreuzotter – das ist nett, schön, magisch, aber unser Überleben hängt nicht daran. Unser Nervensystem kann weich bleiben. Der Wunsch ist da, doch die Anspannung ist gering.

Bei existenziellen Wünschen sieht das anders aus. Wenn es um Geld, Wohnung, Gesundheit, Partnerschaft oder Zugehörigkeit geht, beginnen all die inneren Mechanismen zu wirken, die noch nicht aufgeräumt sind. Alte Erfahrungen, Traumaspuren, Kollektivprägungen, Schuldgefühle und Überlebensstrategien melden sich zu Wort.

Dann wird aus einem klaren Wunsch schnell ein innerer Befehl: „Es muss jetzt aber klappen.“ Und das Universum spürt den Unterschied. Der Wunsch entspringt dann nicht nur der Liebe zu uns, sondern auch der Angst. In solchen Momenten ist es nicht egal, ob er in Erfüllung geht.

Und genau hier kommen wir zu einem sehr wichtigen Punkt.

Wenn Wünsche nicht „funktionieren“ – bitte keine Schuldgefühle

Immer wieder höre ich Sätze wie:

  • „Ich habe wohl falsch bestellt.“
  • „Ich habe zu negativ gedacht.“
  • „Ich war nicht gut genug im Manifestieren.“
  • „Wenn ich krank bin, habe ich das selbst erschaffen, also ist es meine Schuld.“
  • „Wenn ich gekündigt werde, habe ich wohl irgendetwas angezogen.“

Diese Gedanken klingen auf den ersten Blick „spirituell“, aber in Wahrheit sind sie oft nichts anderes als magisches Denken in erwachsener Form und manchmal auch blanke Selbstverurteilung. So nach dem Motto: „Wenn ich es erschaffen habe, bin ich schuld.“

Doch so sehe ich das nicht. Und auch das Leben sagt mir etwas anderes.

Ja, wir wirken mit. Wir weben mit an unserer Wirklichkeit. Und gleichzeitig wirkt so vieles, was wir (noch) nicht überblicken: alte Verletzungen, kollektive Felder, gesellschaftliche Strukturen, Körpergeschichte, Ahnenthemen, Zeitqualität, andere Beteiligte mit ihren freien Entscheidungen.

Wenn ein Wunsch nicht so in Erfüllung geht, wie wir es gern hätten, ist das kein Beweis dafür, dass wir versagt haben. Es ist ein Hinweis. Ein Zeichen des Lebens, dass es etwas zu verstehen gibt, etwas zu integrieren, etwas loszulassen, zu entscheiden oder auch: dass gerade noch andere Kräfte im Spiel sind.

Statt uns zu zerfleischen, können wir uns fragen:

  • „Was zeigt sich hier gerade wirklich?“
  • „Welche alten Überzeugungen oder Ängste werden berührt?“
  • „Wo versuche ich, das Wie zu kontrollieren, statt beim Was zu bleiben?“
  • „Welche Bewegung in Richtung Freiheit könnte hier gerade beginnen – auch wenn sie sich noch nicht so anfühlt?“

Mit dieser Haltung kommen wir raus aus der Schuld und hinein in die Verantwortung. Schuld macht klein und eng. Verantwortung macht weit und handlungsfähig und führt unweigerlich in die Freiheit.

Mit Geduld geht’s am schnellsten

Wir haben als Menschheit Jahrtausende gebraucht, um so tief in das Vergessen, in die Trennung, in die Angst hinabzusteigen. Ich empfinde das als eine ungeheure Meisterleistung unserer Seelen, die sehr viel Mut benötigt hat. Wie könnten wir dann ernsthaft erwarten, dass wir uns innerhalb von ein paar Monaten oder Jahren wieder komplett an unser göttliches Sein erinnern, alles integrieren und alle lang geübten Muster hinter uns lassen?

Innere Veränderung folgt einem Zyklus:

  • Erkennen – ich werde mir eines Musters bewusst.
  • Integrieren – ich fühle, bewege, atme, lasse durch mich hindurchfließen.
  • Erfahren – ich mache neue Erfahrungen im Außen, die das Neue bestätigen.

Und dann beginnt der Zyklus wieder von vorn – nur eine Ebene tiefer, feiner, freier. Deshalb sieht es manchmal so aus, als würden wir „schon wieder an derselben Stelle“ stehen. Doch wir drehen uns nicht im Kreis, sondern gehen eine Spirale.

Geduld ist in diesem Prozess kein „nett gemeinter Tipp“, sondern ein echter Beschleuniger.

Auch aus psychologischer Sicht ist Geduld eine Schlüsselressource. Unser Gehirn ist „neuroplastisch“. Es kann sich verändern, neue Verbindungen knüpfen, alte Muster schwächen. Aber das geschieht nicht auf Knopfdruck, sondern durch Wiederholung, Sicherheit und neue Erfahrungen.

Wenn wir neue Wege gehen, baut unser Nervensystem langsam neue „Trampelpfade“ im Gehirn. Mit der Zeit werden daraus Wege und irgendwann Straßen. Druck, innere Härte und Selbstvorwürfe engen das Nervensystem ein, so dass es sich schlechter umorganisieren kann. Sanftheit, Wiederholung, liebevolle Klarheit und Geduld hingegen erhöhen die Fähigkeit zur Veränderung.

Oder anders gesagt: Mit Geduld geht es tatsächlich am schnellsten.

Wenn du also merkst, dass du „mal wieder“ in ein altes Muster verfallen bist, reicht es, wenn du es feststellst und dich wieder auf das ausrichtest, was du neu erschaffen möchtest. Wenn du jedoch merkst, dass du dich eben doch über dich ärgerst, dann erlaube dir eine begrenzte Zeit, auch dieses alte Muster auszuleben. Ärgere dich für eine Weile über dich selbst, nimm dich dabei, sofern du schon kannst, gleichzeitig in deine inneren Arme und richte dich danach wieder auf das Neue aus.

Geduld mit dir ist gelebte Selbstliebe.

Geduld mit dem Leben ist gelebte Liebe.

Magie des Seins – Was gehört mir, was gehört dem Leben?

Für mich ist echte Magie kein Werkzeugkoffer, sondern ein Bewusstseinszustand. Sie entsteht, wenn ich ganz bei mir bin und gleichzeitig tief im Einverständnis mit dem Leben. Ich nenne das Magie des Seins.

In dieser Magie habe ich eine klare Aufgabe und eine klare Grenze:

  • Das „Was“ gehört mir: meine Wünsche, meine Ausrichtung, meine Entscheidungen, mein inneres Ja.
  • Das „Wie“ gehört dem Leben: die Wege, Zufälle, Begegnungen, Umwege, die Art und Weise, wie etwas zu mir kommt oder sich transformiert.

Wenn ich versuche, das „Wie“ zu kontrollieren, rutsche ich wieder in magisches Denken, in Angstlogik, in Macht über. Dann möchte ich nicht nur miterschaffen, sondern bestimmen und manipulieren. Das fühlt sich eng an, anstrengend und einsam.

Wenn ich mich dagegen auf das „Was“ konzentriere und das „Wie“ dem Leben überlasse, dann wird mein inneres „Es ist egal“ wieder möglich. Nicht im Sinne von: „Es ist mir egal, ob mein Wunsch erfüllt wird“, sondern im Sinne von: „Es ist in Ordnung, wie er erfüllt wird und auch wann.“

Dieses „Es ist egal“ ist für mich ein anderes Wort für Vertrauen. Für Einverständnis. Für Liebe.

Ich darf mir etwas von Herzen wünschen. Ich darf mein Feld ausrichten. Ich darf meine Seele ernst nehmen. Und dann darf ich das Leben machen lassen. Nach meiner Erfahrung ist es eine Meisterin der Logistik. Wirklich! Wenn jemand was über Logistik lernen möchte, empfehle ich eine Ausbildung beim Multiverum!

Magisches Denken vs. Magie des Seins – der Unterschied in einem Blick

Je tiefer ich mit mir und mit Menschen arbeite, desto klarer wird der Unterschied zwischen magischem Denken und echter Magie. Sie sehen sich manchmal ähnlich, doch sie entstehen aus völlig unterschiedlichen inneren Räumen.

Magisches Denken

Magisches Denken kommt aus Angst, Ohnmacht oder Überforderung. Es versucht, Kontrolle zu gewinnen, um Sicherheit zu spüren.

Es zeigt sich zum Beispiel so:

  • „Wenn ich mich richtig verhalte, passiert nichts Schlimmes.“
  • „Ich bin verantwortlich für die Gefühle der anderen.“
  • „Wenn ich perfekt bin, geht alles gut.“
  • „Ich muss das Wie beeinflussen, sonst erfüllt sich mein Wunsch nicht.“
  • „Wenn etwas schiefgeht, habe ich wohl falsch manifestiert.“

Magisches Denken versucht, die Welt berechenbar zu machen. Es basiert auf alten Schutzstrategien, auf Not, nicht auf Lebendigkeit. Es ist die Logik des inneren Kindes, das überleben musste.

Magie des Seins

Sie kommt aus Liebe, Vertrauen und Einverständnis mit dem Leben und führt noch tiefer genau dort hinein. Sie wirkt nicht durch Kontrolle, sondern durch Resonanz.

Sie zeigt sich so:

  • „Ich weiß, was ich mir wünsche und ich überlasse das Wie dem Leben.“
  • „Ich bin für meinen Weg verantwortlich, nicht für den Weg anderer.“
  • „Ich spreche meinen Wunsch aus und lasse los.“
  • „Ich bleibe weich, offen und empfänglich.“
  • „Ich vertraue darauf, dass das Leben auf seine Weise antwortet.“

Magie des Seins ist kein Versuch, die Welt zu manipulieren, sondern eine Beziehung zu ihr. Eine innere Haltung, die sagt: „Ich bin bereit, mitzuwirken und bereit zu empfangen.“

Der wesentliche Unterschied

  • Magisches Denken will Kontrolle.
  • Magie des Seins will Wahrhaftigkeit.
  • Magisches Denken hält fest.
  • Magie des Seins lässt offen.
  • Magisches Denken will Sicherheit.
  • Magie des Seins vertraut dem Leben.
  • Magisches Denken ist eng.
  • Magie des Seins ist weit.
  • Magisches Denken fragt: „Wie bekomme ich, was ich will?“
  • Magie des Seins fragt: „Was entspricht meiner Seele und wie darf es zu mir kommen?“

Und vielleicht ist es genau das, was den Unterschied ausmacht: Magisches Denken entsteht aus der Angst, verlassen zu werden. Magie des Seins entsteht aus der Gewissheit, verbunden zu sein.

Die wahre Magie ist Liebe

Am Ende all dieser Erfahrungen, Beobachtungen und Gespräche bleibt für mich eine Essenz:

Echte Magie ist Liebe in Bewegung.

Sie ist das Zusammenspiel zwischen meinem inneren Feld und dem Feld des Lebens. Sie entsteht, wenn ich mich zeige, wenn ich ehrlich wünsche, wenn ich Verantwortung übernehme, wenn ich mich dem Rhythmus der Veränderung anvertraue und wenn ich bereit bin, das „Wie“ dem Leben zurückzugeben.

Magie ist kein Trick und keine Technik. Sie ist Beziehung zwischen mir, der Welt, der geistigen Ebene und all dem, was wir niemals ganz verstehen werden.

Und vielleicht beginnt sie genau in dem Moment, in dem wir aufhören, das Leben beweisen zu wollen, und stattdessen sagen: „Ich wünsche mir … und ich lasse los. Es ist egal, wie du es tust, liebes Leben. Ich fühle mich geliebt.“

FAQ

Ist magisches Denken etwas Schlechtes oder „Unreifes“?

Nein. Magisches Denken entsteht meist als Schutzstrategie in belastenden oder chaotischen Lebensphasen, besonders in der Kindheit. Es ist ein Versuch, Ohnmacht in Handhabbarkeit zu verwandeln. Problematisch wird es erst, wenn es unbewusst bleibt und erwachsene Entscheidungen einschränkt.

Wie unterscheide ich magisches Denken von echter Schöpferkraft?

Magisches Denken entsteht aus Angst, Unsicherheit oder Überforderung und versucht Kontrolle zu gewinnen. Magie des Seins entsteht aus Vertrauen, Klarheit und innerer Verantwortung. Ein Leitsatz dafür ist: Magisches Denken will das Wie kontrollieren und Magie des Seins richtet sich auf das Was aus und lässt das Wie dem Leben.

Kann ich „falsch manifestieren“ oder Schuld daran haben, wenn Wünsche nicht funktionieren?

Nein. Wünsche realisieren sich nicht nach Perfektion oder „richtigen Gedanken“, sondern im Zusammenspiel aus innerem Feld, Nervensystem, Erfahrungen, Timing und äußeren Faktoren. Wenn etwas nicht gelingt, ist das kein Versagen, sondern ein Hinweis darauf, dass innere Mechanismen, alte Muster oder andere Einflüsse beteiligt sind.

Warum funktionieren manche Wünsche sofort und andere gar nicht?

Unverfängliche Wünsche gelingen leichter, weil kein Überlebensdruck dahintersteht. Existenzielle Wünsche (z. B. Geld, Gesundheit, Beziehung) aktivieren oft alte Erfahrungen, Ängste oder Traumaspuren. Die „Egal-Haltung“ wird dann schwieriger. Magie braucht dafür manchmal Zeit, Klärung oder innere Neuordnung.

Was bedeutet „Es ist egal“, wenn ich mir etwas wünsche?

Es bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Es bedeutet Einverständnis: dass du das Wie und das Wann dem Leben überlässt. Echte Magie entsteht dort, wo Wunsch + Vertrauen ohne inneren Druck oder Kontrolle zusammenwirken.

Kann Magie gefährlich werden oder mich verwirren?

Magie des Seins fühlt sich klar, weit und stabil an. Wenn du jedoch merkst, dass innere und äußere Realität verschwimmen, dass du unter Druck gerätst oder dich verloren fühlst, ist das ein Zeichen für Überforderung oder alte Schutzmechanismen und nicht für „mehr Magie“. Dann kann Begleitung (therapeutisch und ggf. zusätzlich spirituell) hilfreich sein.

Wie kann ich meine Schöpferkraft stärken?

Durch Selbstannahme, Erdung, Nervensystemregulation, ehrliches Fühlen, Klarheit im „Was“, Offenheit im „Wie“ und Mut, Wünsche auszusprechen. Praktische Schritte gehören zur Magie dazu, denn eine geöffnete Tür muss immer noch bewusst durchschritten werden.

Was kann ich tun, wenn ich in altes magisches Denken zurückfalle?

Nichts geht verloren. Wahrnehmen reicht. Jedes bewusste Erkennen löst das Muster ein Stück, jedes Atmen stabilisiert das Nervensystem, und jede neue Erfahrung baut einen neuen Weg. Veränderung geschieht spiralförmig und nicht linear. Geduld ist hier eine Form von Selbstliebe.

Es grüßt dich herzlich

Tanja Richter


Tanja Richter - ein Portrait

Über die Autorin:

Tanja Richter begleitet Menschen dabei, in die Tiefe ihres Wesens einzutauchen, sich selbst liebevoll zu begegnen und in Verbindung mit der geistigen Welt zu wachsen. Ihre Arbeit ist geerdet, klar und schöpft aus jahrzehntelanger Erfahrung mit schamanischen Wegen, spiritueller Praxis und innerer Meisterschaft.

Erfahre mehr über Tanja Richter und ihre Arbeit …

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