
Eigene Prozesse prüfen und einen Mitarbeiter-Fragebogen entwickeln
Wenn euer Kurzcheck Auffälligkeiten zeigt, lohnt sich der nächste Schritt. Es geht nicht zuerst darum, einzelnen Menschen „stärker“ zu machen, sondern darum, die eigenen Abläufe, Prioritäten und kulturellen Muster zu prüfen.
Wichtig: Holt nur dann Feedback ein, wenn ihr wirklich bereit seid, hinzuschauen und etwas zu verändern. Wer fragt, ohne zu handeln, verbrennt Vertrauen schneller, als er es durch den Check aufgebaut hat.
Teil 1: Eure eigenen Prozesse prüfen
- Wo kommt regelmäßig mehr hinein, als realistisch gut getragen werden kann?
- Welche Aufgaben kommen zusätzlich dazu, ohne dass andere entfallen?
- Wo arbeiten Menschen dauerhaft im Reaktionsmodus?
- Wer priorisiert bei euch eigentlich?
- Nach welchen Regeln wird priorisiert?
- Was passiert, wenn zwei oder mehr wichtige Dinge gleichzeitig auf dem Tisch liegen und wer darf dann „Stopp“ sagen?
- Wodurch werden Menschen aus konzentrierter Arbeit herausgerissen?
- Welche Meetings, Chats, Rückfragen oder Freigaben stören Arbeitsfluss?
- Welche Unterbrechungen sind wirklich nötig und welche nur Gewohnheit?
- Wo tragen Mitarbeitende Verantwortung ohne echten Entscheidungsspielraum?
- Wo sollen Ergebnisse geliefert werden, obwohl Rahmenbedingungen kaum beeinflussbar sind?
- Haben die Menschen die Werkzeuge, das Wissen und die Zeit, um die geforderten Ergebnisse zu liefern?
- Wo fehlt echte Mitgestaltung?
- Was passiert faktisch, wenn jemand sagt: „Es ist zu viel“?
- Wird Überlastung als wertvoller Hinweis zur Struktur gesehen oder als individuelle Schwäche?
- Wo wird „funktionieren“ höher bewertet als gesund arbeiten?
- Was könnt ihr innerhalb von 2 bis 4 Wochen testweise verändern?
- Woran würdet ihr merken, dass es besser wird?
- Wer übernimmt Verantwortung für die Umsetzung?
Teil 2: Baukasten für euren Mitarbeiter-Fragebogen
Daraus könnt ihr einen kurzen, anonymen Fragebogen mit etwa 8 bis 15 Fragen entwickeln. Wählt nur Fragen aus, die wirklich zu eurer Realität passen. Lieber wenige ehrliche Fragen als viele allgemeine.
Empfohlenes Antwortschema:
Stimme gar nicht zu · Stimme eher nicht zu · Teils/teils · Stimme eher zu · Stimme voll zu
- Ich kann meine Arbeit in der regulären Zeit meistens gut bewältigen.
- Es kommen häufig neue Aufgaben hinzu, ohne dass andere entfallen.
- Ich habe zu viele Themen gleichzeitig auf dem Tisch.
- Nach Belastungsspitzen gibt es bei uns ausreichend Ausgleich.
- Ich weiß, was aktuell wirklich Priorität hat.
- Anforderungen widersprechen sich manchmal.
- Kurzfristige Änderungen erschweren meine Arbeit.
- Entscheidungswege und Zuständigkeiten sind klar.
- Ich kann Überlastung offen ansprechen.
- Ich kann Grenzen setzen, ohne Nachteile befürchten zu müssen.
- Ich habe ausreichend Einfluss auf meine Arbeitsorganisation.
- Pausen und Fokuszeiten werden bei uns respektiert.
Offene Fragen am Ende
- Was belastet dich in deiner Arbeit aktuell am meisten?
- Was würde deine Arbeit spürbar entlasten?
Achtet beim Auswerten darauf: Bei manchen Aussagen ist Zustimmung ein gutes Zeichen, bei anderen ein Warnsignal
Bitte beachte: Befragt Mitarbeitende nur anonym. Und nur dann, wenn aus dem Feedback auch wirklich etwas folgen darf.
Hier könnt ihr den Fragebogen als PDF herunterladen.
Der Arbeitsbogen zum MitnehmenWenn ihr tiefer einsteigen möchtet
Manches wird schon durch diesen Arbeitsbogen sichtbar. Und manches braucht einen genaueren Blick von außen. Wenn ihr tiefer einsteigen und euch dabei unterstützen lassen wollt, begleite ich euch dabei, die Ergebnisse einzuordnen, eure Prozesse klarer zu sehen und konkrete Veränderungen zu entwickeln, die im Alltag wirklich tragfähig sind.
Im Erstgespräch klären wir unverbindlich, ob eine Prozessbegleitung oder ein punktueller Workshop für euch gerade sinnvoller ist.
