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Wenn deine Wünsche Farbe bekommen
Ich liebe es, wenn es draußen wärmer wird. Wenn ein milder Wind die Haut streichelt. Wenn die ersten Sonnenstrahlen nicht nur Licht bringen, sondern mich wirklich kitzeln.
In diesem Jahr habe ich das schon zu Imbolc gespürt. Es hat geregnet, aber es war kein eisiger Regen mehr. Ich war draußen unterwegs und habe es geliebt, wie die Tropfen auf meinen Kopf gefallen sind und wie darin schon diese erste, feine Wärme lag.
Genau so fühlt sich für mich dieser Übergang an.
Im Winter verbinde ich mich stärker mit mir selbst. Ich werde stiller, ziehe mich eher zurück, gehe mehr nach innen. Und jetzt beginnt wieder etwas anderes: die Verbindung nach außen, zu Menschen, zum Leben, zur Bewegung.
Es geht nicht nur mir so. Wir können es überall beobachten: Menschen gehen wieder raus. In Straßencafés nehmen wir Kontakt auf. Hier im Norden füllt sich der Strand mit Menschen, die Sonne genießen und ihre Füße ins kalte Wasser halten. Wir nehmen nicht nur Kontakt miteinander auf, sondern auch mit der Erde.
Dieses Schwingen von innen nach außen und wieder zurück, vom Ich zum Wir und wieder zurück – das ist für mich der Jahreskreis.
Ostara ist für mich ein fröhliches Frühlingsfest. Und es ist mehr als das.
Es ist die Zeit, in der das Leben Farbe bekommt. Draußen sowieso. Aber auch innen.
Die erste Bewegung
Jedes Jahr denke ich, der Frühling beginnt viel früher, als wir ihn wahrnehmen. Ich spüre ihn oft mitten im Winter, meist schon kurz nach der Wintersonnenwende. Spätestens Anfang Januar spüre ich, da regt sich etwas unter der Erde. Es ist noch nicht sichtbar, noch nicht warm. Aber es ist auch nicht mehr still.
Als würde sich unter der Erde etwas in Bewegung setzen, als würde sich das Leben vorbereiten. Ganz leise und fein. Und gleichzeitig mit einer eigenen Intensität. Für mich fühlt es sich so an, als wäre das Leben ganz aufgeregt, voller Vorfreude darauf, dass es neue Schöpfung hervorbringen kann.
Wie ein inneres Vibrieren. Wie gespannte Lebendigkeit kurz vor dem Durchbruch.
Vom Sterben zum Werden
Wenn wir durch den Jahreskreis schauen, dann ist Ostara kein Anfang. Der Anfang liegt weiter zurück. Er begann mit dem Sterben an Samhain.
Zu Samhain haben wir losgelassen und sind in die Nichtstruktur gegangen. Wir haben uns dem hingegeben, was wir nicht wissen.
Zu Yule hat sich daraus vielleicht ein neuer Schöpfungswunsch gezeigt. Noch ganz zart und vielleicht namenlos.
Zu Imbolc ging es darum, diesen Wunsch in uns zu nähren und zu schauen, was er braucht, was ihn stärkt. Und auch, was ihn hindert.
Und jetzt, zu Ostara, beginnt dieser Wunsch, sichtbar zu werden. Er beginnt, konkreter zu werden.
Wenn Wünsche Farbe bekommen
Vorher war dein Wunsch vielleicht einfach nur da, unsichtbar, geschützt, noch ein bisschen unbestimmt und mit dem ganzen Potenzial, sich zu entfalten, wie ein Same in der Erde.
Mit Ostara passiert etwas. Wenn du es zulässt, bekommt dein Schöpfungswunsch Farbe. Und Farbe ist mehr, als wir vielleicht denken.
Farbe ist Richtung. Farbe ist Ausdruck. Farbe ist ein erstes deutliches Sichtbarwerden. Es ist wie eine erste Differenzierung. Der Wunsch wird mehr als „nur“ Gefühl. Er ist aber auch noch nicht Form. Doch er wird schon erkennbar und vielleicht auch für andere.
Und je länger ich darüber nachdenke, desto schöner finde ich, dass Farbe gar nicht einfach nur da ist. Sie entsteht in Beziehung.
Das Licht der Sonne trägt alle Möglichkeiten in sich. Die Dinge dieser Welt antworten darauf, indem sie einen Teil davon zurückgeben. Und erst in uns wird daraus das, was wir als Farbe erleben.
Ohne Licht gibt es keine Farbe.
Ohne Welt gibt es keine Farbe.
Ohne Wahrnehmung gibt es keine Farbe.
Farbe ist kein fester Zustand. Sie ist ein Geschehen zwischen allem, was ist.
Vielleicht gehört sie genau deshalb ganz grundsätzlich zur Schöpfung. Weißes Licht wirkt auf den ersten Blick einheitlich und undifferenziert. Und wenn es sich bricht, entstehen Farben, also Unterschiede, Nuancen und Richtung.
Manchmal fühlt es sich für mich so an, als würde genau das auch in uns geschehen.
Ein Impuls ist erst einfach ganz still nur da. Dann kommen Gefühle, Bewegung, Schwingung dazu.
Und plötzlich wird daraus etwas Eigenes. Etwas mit Farbe. Vielleicht berührt uns Ostara genau deshalb so. Weil das Licht wieder auf eine Welt trifft, die bereit ist zu antworten und weil auch in uns etwas bereit wird, sichtbar zu werden.
Welche Farbe hat dein Wunsch?
- Ist sie zart oder kräftig?
- Klar oder noch verwaschen?
- Warm oder kühl?
Und vielleicht noch spannender: Welche Farbe fehlt ihm noch?
Das Ei
Und dann ist da noch das Ei.
Ein Same verschwindet in der Erde. Ein Ei dagegen ist schon da: Sichtbar, greifbar und doch noch nicht offen. Das Leben darin ist schon gewachsen. Und gleichzeitig schützt die Schale noch, was sich erst noch zeigen will.
Für mein Gefühl ist Ostara genau so ein Moment. Unser Schöpfungswunsch ist nicht mehr nur Möglichkeit. Aber auch noch nicht ganz entfaltet.
Etwas in uns ist da. Und vielleicht spüren wir schon, dass die Schale an manchen Stellen dünner wird.
Eine hoppelnde Begegnung
In Bayern um die Wasserburg am Inn gibt es eine Gegend, die mich immer wieder an das Auenland mit seinen Hobbits erinnert hat. Ich liebe diese Landschaft mit ihrer Sanftheit. Jedes Jahr um Ostern herum war sie übersät mit Hasen. Ich bin ihnen wirklich überall begegnet.
Irgendwann dachte ich: Wenn Ostern irgendwo ausfällt, dann liegt das daran, dass sämtliche Hasen der Welt gerade in Bayern unterwegs sind.
Ich denke immer wieder gerne daran. Der Hase trägt für mich genau diese Osterenergie:
- Wachsamkeit.
- Lebendigkeit.
- Zartheit.
Er sitzt still. Und im nächsten Moment springt er los. Es ist wie der Moment, in dem aus innerer Bewegung äußere Bewegung wird.
Ein kleines Ostara-Ritual
Für mein eigenes aktuelles Projekt wünsche ich mir Unterstützung durch Menschen.
Und dazu ist mir nach einem Traum ein kleines Ritual eingefallen. In diesem Traum ging es darum, mit dem, was ich bin, nach außen zu gehen. Doch alles war weißlich. Fast farblos. Und ich habe im Traum entschieden: Nein. Das will ich nicht. Ich will nicht so farblos daherkommen. Ich will mit meinem ganzen Ich nach außen gehen.
Als ich aufgewacht bin, war die Übersetzung für mich klar. Mein Projekt ist noch nicht ganz fertig. Es ist noch nicht vollständig geschlüpft.
Es ist noch eher wie ein Ei. Und so habe ich ein Holzosterei genommen und es bunt bemalt. So, wie ich mich selbst und mein Projekt fühle. Es ist ganz sicher nicht perfekt. Und vermutlich wird es nie ganz fertig. Doch es ist voller Farbe und Beziehung.
Dieses Ei werde ich in den Boulevard einer kleinen Stadt hängen, mitten hinein in die erste Reihe. Denn genau dort will ich hin.
Nicht auf einen weißlich-farblosen Hinterhof. Sondern sichtbar mitten rein ins Leben.
Du musst es natürlich nicht genauso machen. Doch vielleicht magst du zu Ostara auch ein Ei nehmen, deinen Wunsch in Farben und Mustern daraufbringen und dann schauen:
- Will es bei dir bleiben?
- Will es hinaus?
- Will es gesehen werden?
Ostara
Ostara ist ein fröhliches Frühlingsfest. Und es ist der Moment, in dem das Leben draußen und hoffentlich auch in dir wieder Farbe bekommt.
Vielleicht ist es auch der Moment, in dem du mit deinen inneren Wünschen Farbe bekennst.
FAQ
Was ist Ostara in einem Satz?
Ostara ist für mich ein fröhliches Frühlingsfest und zugleich der Moment, in dem innere Wünsche sichtbarer werden, Farbe bekommen und beginnen, sich nach außen zu zeigen.
Wofür stehen Ei und Hase zu Ostara?
Das Ei steht für etwas, das schon da ist, schon Leben in sich trägt und doch noch nicht ganz offen ist. Der Hase erinnert an Wachsamkeit, Lebendigkeit, Zartheit und an den Moment, in dem aus innerer Bewegung äußere Bewegung wird.
Was bedeutet es, wenn Wünsche „Farbe bekommen“?
Damit meine ich den Übergang von einem noch stillen, unbestimmten Impuls zu etwas, das mehr Ausdruck, Richtung und Sichtbarkeit bekommt. Der Wunsch ist noch nicht vollständig in Form, aber er ist bereits deutlicher spürbar – vielleicht sogar schon für andere.
Muss ich zu Ostara ein Ritual machen?
Nein. Du kannst Ostara auch einfach bewusst wahrnehmen: Licht auf der Haut spüren, hinausgehen, Farben beobachten und dich fragen, was in dir sichtbar werden möchte. Ein Ritual kann diesen Prozess unterstützen, ist aber kein Muss.
Was kann ich konkret zu Ostara tun?
Du kannst zum Beispiel ein Ei bemalen und deinen Wunsch in Farben und Mustern daraufbringen. Danach kannst du spüren, ob dieses Ei bei dir bleiben, hinaus in die Welt oder an einen sichtbaren Ort gehängt werden möchte.
Was ist der Unterschied zwischen Imbolc und Ostara?
Imbolc erlebe ich als Zeit der Vorbereitung, Reinigung und ersten inneren Ausrichtung. Ostara ist der Moment, in dem das, was sich vorbereitet hat, sichtbarer wird, mehr Ausdruck bekommt und stärker ins Außen drängt.
Für wen ist dieser Beitrag gedacht?
Für Menschen, die den Frühling nicht nur im Außen, sondern auch in sich selbst wahrnehmen möchten. Für alle, die ihren inneren Prozessen gern mit Naturbildern, Symbolen und einer liebevollen Form von Selbstbegegnung näherkommen.



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