Die etwas schräg geratene Venus

Klassisches Gemälde ‚Die Geburt der Venus‘: nackte Frau auf einer Muschel im Meer, umgeben von Windgöttern und einer Frau mit rotem Mantel – Symbol für Venus, Liebe und weibliche Schöpferkraft.

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Eine kosmische Märchenminute, Teil 1

Es war einmal ein junges Sonnensystem, in dem sich die Planeten noch suchten, sortierten und gelegentlich zusammenrumpelten, weil niemand so genau wusste, wie „Abstand halten“ funktioniert.

Die Venus war damals noch ganz gerade. Sie drehte sich brav wie die anderen, hielt ihre Bahn, glänzte freundlich und dachte:

„Na gut, wenn das halt so geht mit dem Planetsein, dann mach ich das eben so.“

Gleich nebenan zog Mars seine Kreise. Er war etwas kantig, ein bisschen stolz, mit Kratern im Gesicht und der Art von Energie, die dauernd sagt:

„Komm, wir machen was Krasses!“

Eines Tages kam es, wie es im jungen Kosmos eben kommt: Mars war mit einem Asteroiden am Spielen (was bei ihm halt „Sport“ heißt), verschätzte sich ein bisschen und … wumm streifte er die Venus.

Nicht so, dass sie in tausend Stücke zerfiel, aber so, dass etwas in ihr umkippte.

Plötzlich war ihre Achse schief. Nicht nur ein bisschen, sondern so, dass sie jetzt fast auf dem Kopf stand. Und als sie sich wieder fing, stellte sie fest:

„Äh … ich drehe mich … andersrum?!“

Die anderen Planeten guckten irritiert.

Jupiter brummte:

„So dreht man sich aber nicht!“

Saturn sortierte nervös seine Ringe. Die Erde murmelte irgendwas von:

„Oh Gott, was sagt die Umlaufordnung dazu…?“

Nur die Sonne lächelte leise. Sie hatte das alles schon tausendmal in anderen Systemen gesehen.

Venus probierte ein paar Runden. Vorwärts, rückwärts, quer. Sie spürte in sich hinein und merkte:

„So wie früher fühlt es sich nicht mehr richtig an.
Aber dieses rückwärts… das ist zwar schräg, aber es ist meins.“

Und weil Planeten keine Formulare ausfüllen müssen, um ein neues Selbstbild anzunehmen, begann sie, sich einfach konsequent „falschrum“ zu drehen. Langsam. Stur. Wie jemand, der beschlossen hat, ab jetzt im eigenen Rhythmus zu leben, auch wenn alle Tabellen was anderes sagen.

Mit der Zeit passierte etwas Merkwürdiges:

  • Dichter und Träumer auf kleinen, weit entfernten Welten schauten in den Nachthimmel und spürten:
    Da ist etwas, das nicht den normalen Regeln folgt.
  • Sie gaben ihr einen Namen, machten sie zur Göttin der Liebe, schrieben ihr Weiblichkeit, Schönheit und sanfte Rebellion in die Sterne.
  • Und irgendwo in ihrer inneren Umlaufbahn dachte Venus jedes Mal, wenn jemand „Du bist so weiblich und weich“ sagte: „Ihr habt ja keine Ahnung, was es gekostet hat, so schräg stehen zu bleiben.“

Mars schaute irgendwann verlegen rüber. Er hatte längst kapiert, dass sein damaliger Rumms mehr war als ein kosmischer Rempler – eher so eine Initiation in die Eigenwilligkeit.

Er rief über die Leere:

„Du… äh… sorry. War nicht geplant.“

Venus schimmerte ein bisschen heller, ließ ihre Wolken glitzern und sagte:

„Schon gut. Ich war reif für eine Richtungsänderung.
Aber dass ich jetzt ‘die Liebe’ bin, das ist eure Projektion, nicht mein Problem.“

Seitdem dreht sie sich rückwärts. Nicht, weil sie trotzig ist gegen das Universum, sondern weil sie einmal richtig hart angebumst wurde und beschlossen hat:

„Wenn ich ohnehin schon schräg bin,
dann wenigstens in meiner eigenen Wahrheit.“

Und irgendwo, auf einem kleinen, blauen Planeten, sitzt eine Frau, guckt in den Himmel, hört von „retrograder Rotation“ und denkt:

„Ach Venus… ich versteh dich.“

Und Venus – ganz leicht – dreht sich ein bisschen weicher weiter.


Tanja Richter - ein Portrait

Über die Autorin:

Tanja Richter begleitet Menschen dabei, in die Tiefe ihres Wesens einzutauchen, sich selbst liebevoll zu begegnen und in Verbindung mit der geistigen Welt zu wachsen.

Ihre Arbeit ist geerdet, klar und schöpft aus jahrzehntelanger Erfahrung mit schamanischen Wegen, spiritueller Praxis und innerer Meisterschaft.

Erfahre mehr über Tanja Richter und ihre Arbeit …

Es grüßt dich herzlich

Tanja Richter



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